Gottfried Mayerhofer - Predigten des Herrn - Gottfried Mayerhofer

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PREDIGTEN DES HERRN
- Originaltext nach der Erstausgabe von 1892 -
1.
Am ersten Adventssonntag

Die Zeichen der Zukunft
Lukas 21,25-26: Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wassermengen werden brausen, und Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte werden sich bewegen.


Empfangen am 23. November 1871

Dieses ist das erste Evangelium, womit gewöhnlich das Kirchenjahr seinen Anfang nimmt. Alle Jahre wird es den Gläubigen in der Kirche vorgelesen, alle Jahre ihnen erklärt, so oder so, wie es dem Prediger gerade zu seinem Zweck passt. Aber wenn auch mancher von Zeichen und Wundern spricht, so wissen doch wenige von ihnen, worin diese Zeichen bestehen, und auf welche Art sie die künftigen Zeiten verkünden werden.
Viele Prediger nehmen gewöhnlich aus dem politischen oder aus dem Alltagsleben die Erklärungen für den Text und wollen so Geistiges durch Weltliches erläutern, welches ein ebenso eitler Versuch ist, als wollte man die geistige Welt durch die materielle erklären, während eigentlich das Umgekehrte geschehen sollte, und die weltlichen Ereignisse als Folgen von geistigen Ursachen aufgefasst und erklärt werden sollten.


Das Ende von Jerusalem

Seht, Meine Kinder, als Ich in jener Zeit von Zeichen sprach und den Juden die Zerstörung ihres Tempels voraussagte, da glaubten wenige von ihnen Meiner Aussage weil sie Mich nicht kannten, und auch jetzt, wo Ich euch das Nämliche zurufe gibt es ebenso viele Zweifler und Ungläubige, welche die Zeichen wenigstens von wo anders her erwarten, als von wo sie wirklich kommen werden.
In jener Zeit sagte Ich den Untergang des Tempels von Jerusalem und das Aufhören Israels als selbständiges Volk voraus, Ich sagte ihnen, dass die Art und Weise wie sie ihre Religionsgesetze beobachteten gerade das Entgegengesetzte von dem sei, was Moses und die Propheten sie gelehrt haben; dass dieser Art der Anschauung und werktätigen Ausübung ein Ende gemacht werden müsse eben durch die eigentliche wahre Auslegung, welche der Menschheit zu geben Ich zur Erde gekommen bin, und auch Mein Leben für diese Lehre gelassen habe.
Auch sie wollten sich nicht von dem falschen, angewohnten Glauben, der ihre Religion ausmachte, trennen; für sie galt der Tempel oder die Lehre der Priester zu Jerusalem als Repräsentant des geistigen Religionsgebäudes. Da es aber in diesem Tempel so heillos zuging, indem dort nur so gepredigt und gehandelt wurde wie es dem Interesse der Priester und Pharisäer entsprach, so musste dieser materielle Tempel fallen, sollte die Menschheit nicht im Sumpfwasser ihrer schlechtesten Leidenschaften verfaulen. Erst auf seinen Ruinen konnte ein neuer, geistiger, ewig dauernder Tempel erbaut werden, zu dem Ich während Meines Erdenwandels den Grundstein gelegt habe.


Das Ende der äußerlich-weltlichen Kirchen und Machthaber

Das, was damals geschah mit dem Tempel zu Jerusalem und dem israelitischen Volk, das wird nächstens geschehen mit dem sogenannten heiligen Stuhl in Rom und der ganzen Priesterherrschaft, die von dort ausgeht; denn wie dazumal in Jerusalem, so wird heute in und von Rom aus gelehrt und gehandelt, nicht wie Ich einst lehrte und handelte sondern wie man dort glaubt, dass es ihr irdischer Vorteil erfordere. Auch dieser Tempel und die falsche Lehre, die von dort ausgeht, samt ihren Lehrern, müssen fallen, damit auf dessen Ruinen wieder der wahre, geistige Tempel Meiner reinen Liebelehre aufgebaut werden könne.
Was einst in Jerusalem geschah, wo die bewaffnete Macht der Römer lange Zeit die Religion der Juden und ihre Gebräuche achtete und sie gewähren ließ, das geschah auch bis auf die heutigen Tage mit der römisch-katholischen Religion, die Machthaber wollten dem Unfug in Rom, wenn sie ihn auch kannten, nicht steuern, sondern suchten ihn sogar zu ihrem eigenen Vorteil auszubeuten. Aber wie dereinst die Juden durch ihren Übermut und ihre Empörungssucht den Fall des Tempels und den Ruin ihrer eigenen Existenz herbeiführten, so wird auch jetzt das Gebäude des Unfehlbaren auf Petri Stuhl in Rom ebenfalls durch Übermut und Blindheit seiner eigenen Mithelfer fallen, und wieder wie einst werden die Unfehlbaren des Tempels Meiner reinen Lehre Platz machen müssen.
Was bei Meiner ersten Daniederkunft als Mensch geschah wird wieder geschehen, es werden Zeichen sich bemerkbar machen; wohl denen, die sie verstehen und sie zu ihrem eigenen, und zum Besten der Mitmenschen beachten werden.
Schon geraume Zeit fehlt es nicht an Zeichen und Mahnungen zur Umkehr, noch immer schien es nicht an der Zeit, Rom und seine Misswirtschaft zu zerstören; doch wenn auch vielen Menschen in besseren Augenblicken ein Lichtstrahl der Zukunft ihr Herz erleuchtete, in Rom blieb es finster. Die Voraussagung damaliger Zeit wird wieder mit denselben Zeichen, wenn auch im geistigen Sinn, in jetziger Zeit eintreffen, und hat eigentlich schon längst ihren Anfang genommen wie einst während Meines irdischen Erdenwandels; Kriege, Empörungen, Verfolgung Meiner Anhänger, Krankheiten aller Art und ängstliches Bangen der Dinge wegen die da kommen werden, waren die Vorboten in jener Zeit, und auch jetzt werden sie nicht fehlen. Diese Schicksale schicke aber nicht Ich, sondern die Menschen bereiten sich selbe selbst durch das Missverstehen Meiner göttlichen Lehre, die stets die gleiche bleiben wird. Der Wind der geistigen Freiheit weht auch jetzt und durchdringt die Menschenherzen, die Menschen wollen ihren, seit mehr denn tausend Jahren von den Stärkeren, von einer Sekte oder Kaste mit Füßen getretenen und zu deren alleinigem Vorteil ausgebeuteten Menschenrechten Achtung und Geltung verschaffen.
10. Die geistlichen und weltlichen Machthaber haben den Wurm lange genug getreten, wollten sich ihn ganz untertänig und botmäßig machen und glaubten, dass die Menschenwürde erst bei ihnen anfange. Aber zu viel schadet, der Wurm krümmt sich wenn er getreten wird, und der Bogen, den sie zu sehr gespannt haben, ist dem Reißen nahe. Sie fühlen es wohl, daher ihre Angst, daher ihr Suchen nach Mitteln, selben zu steuern; aber umsonst! – Wie einst in Jerusalem, so graben sich die Machthaber auch jetzt die Grube, in welche sie eigentlich andere hinein werfen wollen.


Verhaltenswinke

Damals riet Ich Meinen wenigen Anhängern, nicht durch Schwelgereien oder irdische Sorgen ihr Gemüt zu belasten sondern mäßig zu sein, ihre Seelen und Körper rein zu halten und nicht zu schlechten Taten zu missbrauchen, damit sie so vor dem Menschensohn bestehen können wenn Er kommen wird.
Und auch jetzt gilt derselbe Mahnruf: Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet! Haltet euch rein, stärkt euch mit dem Glauben an Meine Liebe und an Meine göttliche Fürsorge, die, wenn sie auch das Schrecklichste zulässt, doch nie die strafen wird, die Meine Lehre mit kindlichem Gemüt aufgenommen haben und mit gläubigem Eifer danach tätig waren.
Die Zeichen der Zeit werden dann an euch spurlos vorübergehen, besonders wenn ihr euch auf die notwendigsten Bedürfnisse eures Körpers habt beschränken lernen, aber desto mehr auf den Aufbau eures geistigen Seelenmenschen bed